Darstellung der reinen Mohnsäure (Opiumsäure)
Aus: Krömeke, Franz (Hrsg.): Friedrich Wilhelm Sertürner der Entdecker des Morphiums. Lebensbild und Neudruck der Original-Morphiumarbeiten., Springer Verlag, Heidelberg 1984. ISBN 3540123571

Journal der Pharmacie, Leipzig, 1806; 14: 33-37

"Darstellung der reinen Mohnsäure (Opiumsäure) nebst einer Untersuchung des Opiums mit vorzüglicher Hinsicht auf einen darin neu entdeckten Stoff und die dahin gehörigen Bemerkungen. Vom Herrn Sertürner in Paderborn."

Im Journale der Pharmazie 13ten Bandes machte ich einige Bemerkungen über die besonderen Eigenschaften des im Handel vorkommenden Opiums, welche mir nach den bis jetzt bekannten Bestandtheilen desselben unerklärbar waren; auch äußerte ich zugleich, daß jene Erscheinungen von einer eigenen noch unbekannten Säure determiniert würden, ohne jedoch einen entscheidenden Beweis dafür anzugeben.

An eben erwähntem Orte machte deswegen Herr Professor Trommsdorff nicht ohne Grund die Bemerkung, daß es meinen Versuchen zufolge zweifelhaft sey, ob jene Phänomene von einer Säure oder einem anderen Stoff bewirkt würden; es war sehr zu (s3) vermuthen, daß ich mich getäuscht hatte, weil schon Männer von so ausgezeichneten Kenntnissen und Verdiensten sich mit Untersuchung dieses Körpers beschäftigt hatten.

Daß ich manche auffallende Erscheinung der Opiumauszüge von dessen Säure herleite, welche ich bey genauer Untersuchung an der reinen Mohnsäure nicht bemerkte, war freylich eine Täuschung, die mir aber um so weniger zu Schulden kommen wird, da ich erst nachher so glücklich war, noch einen andern bis jetzt unbekannten Stoff im Opium zu finden, der durch sein verschleiertes Daseyn viele jener Irrungen veranlaßte. So leitete ich z.B. die Veränderungen, welche einige Pflanzenpigmente durch die Opiumtinkturen erfahren, blos von der Mohnsäure her, da sie doch theils von dieser theils von jenem genannten Stoffe bestimmt werden. Nachstehende Data werden indes mein Vorhergesagtes näher beleuchten, und über die Existenz der Opiumsäure keinen fernern Zweifel übriglassen. Bey nachfolgenden Versuchen habe ich zu Zeiten auf einige Bestandtheile des Opiums nur einen Blick im vorbeygehen geworfen, und bey einigen Versuchen gar kein Gewicht angegeben; hier glaube ich mich bey meinem geneigten Leser hinlänglich entschuldigen zu können, indem ich mein Hauptaugenmerk mehr auf das qualitative als quantitative Verhältniß dieser Körper richtete. Auch waren Mangel an Muse, und bey einigen, z.B. der Mohnsäure, die geringe Menge (womit ich operiren konnte) ein Grund, warum ich auch dieses oft mangelhaft umfassen mußte: da, wo es unumgänglich nöthig war, wird man indeß beydes so viel wie möglich vereinigt finden.

Zwar hätten meine Versuche an Deutlichkeit und Realität vieles gewonnen, wenn ich bey jedem bestimmt das quantitative Verhältniß hätte berücksichtigen können, indeß wird man hierbey nicht gar viel verlieren, zumal jeder Sorte Opium das Mischungsverhältniß einem bestimmten Wechsel unterworfen ist. Denn nicht allein Standort und Klima sind Ursache dieses Wechsels, sondern auch das unachtsame Verfahren bey Gewinnung dieses wichtigen Heilmittels; und noch zuletzt geräth es nicht selten in die Hände merkantilistischer Habsüchtigkeit, welche dasselbe zum Nachtheile vieler leidenden Individuen mit solchen Substanzen zu versetzen wissen, die selbst dem geübtesten Auge unbemerkbar bleiben können.

Hoffentlich wird es dem Eifer unserer Zeitgenossen, denen das Wohl ihrer Mitbürger am Herzen liegt, vielleicht gelingen, der Mohnpflanze (Papaver somniferum) durch eine zweckmäßige Cultur das in etwas zu ersetzen, was ihr ein ungünstiges Klima des nördlichen Europa versagt. Daß dies Pflanze in unserer nörd (34) lichen Zone der sorgfältigsten Cultur ungeachtet nie den Grad der Vollkommenheit, wie in Persien ihrem Vaterlande erreichen kann, wird jedem, der nur einen Blick auf die sie umgebenden Verhältnisse wirft, von selbst einleuchten. Aber auch bey diesem Mangel scheint es doch nicht außer den Gränzen der Möglichkeit zu liegen, durch sie das Opium der heißern Zone wo nicht zu verdrängen, doch wenigstens entbehrlicher zu machen, wodurch dasselbe alsdann im Preise fallen, mithin der Verfälschung auch nicht so sehr ausgesetzt seyn würde.

Ganz unten werde ich suchen darzuthun, wie durch ein anderweitiges Verfahren dieser Zweck zu erreichen sey.

Um alle Weitläufigkeit zu vermeiden, kehre ich nach dieser kleinen Ausschweifung über die Grenzen meines Gebiets wieder zu meinem Gegenstande zurück und werde hier nur diejenigen Versuche aufzählen, welche einiges Interesse gewähren können. Um mir einen Leitfaden bey nachstehender Untersuchung zu verschaffen, behandelte ich zuerst 300 Gran Opium in der Kälte mit 8 Unzen destillirtem Wasser; diese wohl filtrirte braune Flüssigkeit wurde durch folgende Reagenzien geprüft:

  1. Das mit dem blauen Lackmuspigmente gefärbte Papier wurde merklich geröthet, hinterließ aber nach einiger Zeit einen fast ganz verbleichten blaßröthlichen Flecken.
  2. Die Tinktur der Blumenblätter des blauen Veilchens (viola odorata) verlor gleich ihre blaue Farbe, ohne merklich geröthet zu werden.
  3. Kurkumepapier, dessen ursprünglich gelbe Farbe durch eine schwache Kalilösung verändert war, wurde wieder gelb.
  4. Papier, welches mit Rhabarbertinktur gefärbt war, ließ nicht die geringste Veränderung bemerken.
  5. Ebenso verhielt sich das mit Gilbwurzel und Fernambuck gefärbte Papier.
  6. Ätzendes Kali bewirkte einen häufig flockichten Niederschlag, welcher sich durch ein Übermaß von Kali nicht wieder auflößte.
  7. Das mit Kohlensäure vollkommen gesättigte Kali verhielt sich eben so.
  8. Natrum sowohl im reinen als kohlensauren Zustande eben so.
  9. Ammoniak wie beim vorigen.
  10. Reiner Baryt in destilirtem Wasser gelöst, brachte augenblicklich einen grauen Niederschlag hervor, der sich aber in ver (35) dünnter Salpetersäure bis auf einen geringen Rückstand wieder auflöste.
  11. Eine Lösung des salzsauren Baryts verhielt sich eben so.
  12. Essigsaures Bley eben so.
  13. Salpetersaures Silber erzeugte keine merkliche Veränderung.
  14. Salpetersaures Quecksilber eben so.
  15. Aetzender Kalk in destilirtem Wasser gelöst bewirkte eine reichlichen grauen Präcipat, welchen verdünnte Salpetersäure gänzlich wieder auflöste.
  16. Eine Lösung des grünen schwefelsauren Eisens verursachte eine schmutzig braune Farbe, die aber durch Berührung der Atmosphäre nach einiger Zeit etwas dunkler wurde.
  17. Das rothe schwefelsaure Eisen erzeugte gleich eine dunkel kastanienbraune Farbe.
  18. Salzsaures Eisen sowohl im Minimum als Maximum der Oxidation äußerte gleiche Erscheinung - doch besaß die durch letzteres erzeugte Farbe mehr Lüstre. Säuren, selbst, konzentrirte, z.B. Schwefel-Salz-Essigsäure, zerstörten diese Farbe nicht, sondern erhöhten sie bis zum schönsten Roth; entgegengesetzt verhielten sich alle Kalien.
  19. Sauerkleesaures Kali erzeugte einen merklichen Niederschlag.
  20. Einfaches salzsaures Zinn in destillirtem Wasser gelöst, gab einen beträchtlichen Bodensatz.
  21. Thierischer Leim im Wasser gelöst blieb ohne Veränderung auch beym Erhitzen der Mischung.
  22. Schwefelsäure von 2,000 spezifischem Gewichte ließ außer einer braunen Farbe nichts auffallendes bemerken.
  23. Himbeersaft (von Rubis Idaeus) mit Wasser verdünnt, verlor durch eine hinreichende Quantität dieser Flüssigkeit zum Theile die ihm eigenthümliche rothe Farbe, und setzte nach einiger Zeit einen röthlichen Bodensatz an.
  24. Die Tinktur der Heidelbeere (vaccinium myrtillus) äußerte diesselbe Wirkung noch deutlicher.
Aus diesem geht hervor:

Zufolge a, b, c scheint eine Säure im ungebundenen Zustande gegenwärtig zu seyn. Bey genauer Beobachtung bemerkte ich aber auch bey a, b eine Art Zerstörung der Farbe. Vorhin schrieb ich diese Eigenschaft der Mohnsäure zu, wir werden aber gleich sehen dass sie von einem anderen Stoffe herrührt; d, e zeigt die Abwesenheit freyer Kalien. Aus f, g, h, i, erhellt das Daseyn eines (s36 )Körpers, welcher an irgend eine Säure gebunden ist. Nach k, l, m schließe ich auf die Gegenwart der Schwefel- und Mohnsäure: denn die Niederschläge geben mit Eisenauflösung eine braune Farbe; zufolge n, o, p ergibt sich keine Spur von Salzsäure oder Saurekleesäure. Bey q, r, s, verräth die braunrothe Farbe der Mischung dem Auge des Beobachters die Mohnsäure, t, deutet auf Kalk; u, v, beweist, daß kein Tannin vorhanden war; denn bei v hätte sich dies zeigen müssen; x, y, als die letzten zeigen ähnliche Eigenschaft wie a, b, ich halte sie mit jenen für synonym.

Nähere Untersuchung
Erster Versuch

Zwey Unzen = 960 Gran des besten trocknen Opiums wurden gröblich zerstoßen, in einem kleinen Kolben mit 8 Unzen Wasser übergossen und 12 Stunden bey einer Temperatur von beynahe 70° Reaumur digerirt; nachdem sich das unaufgelöste zu Boden gesetzt hatte, wurde die überstehende sehr braun gefärbte Flüssigkeit abgegossen.

Zweyter Versuch

Den Rückstand behandelte ich nochmals mit 8 Unzen Wasser wie zuvor, wobey letzteres noch ziemlich stark gefärbt wurde.

Dritter Versuch

Voriger Rückstand wurde jetzt mit 8 Unzen Wasser eine geraume Zeit gekocht und auf einem Filtrum so lange mit Wasser abgespült, als an dem durchlaufendem Fluidum noch Farbe zu bemerken war; dieser Rest, woraus nun alles im Wasser aufzulösende geschieden, wog nach dem Trocknen (welches schwer hielt) 371 Gran, ich legte ihn mit A bezeichnet einstweilen zur Seite.

Vierter Versuch

Bey obigen Versuchen erhaltene wässerichte Extraktionen wurden zusammengemischt; da diese Mischung sehr trübe war, stellte ich sie 24 Stunden an einen kühlen Ort, indeß behielt sie, ungeachtet sich ein bräunlicher Bodensatz abgesondert hatte, das trübe Ansehen bey, und konnte nur durch oft wiederholtes Filtriren durch ungeleimtes Druckpapier klar dargestellt werden; da mir das Gewicht des Filtrums bekannt war, so fand ich, daß des Ueberbleibsels nach Abzug des Filtrums 13 Gran, welche zu dem Rest A (s37)im dritten Versuche gelegt wurden; folglich enthielt dieser Auszug 576 Theile des angewandten Opiums gelöst.

Weil ich schon vorhin in dieser Zeitschrift die Mohnsäure (Acidum papavricum) berührt habe, so werde ich auch hier zuerst wieder auf selbige zurückführen, und nebst der Bereitung einige ihrer Charaktermerkmale angeben.

Fünfter Versuch

In dieser Hinsicht goß ich zu dem heißen wässerichten Opiumauszuge des vierten Versuches, um die allenfalls freye Säure zu sättigen, und den Körper, wie die Prüfung mit Reagentien zeigt, abzuscheiden, so lange ätzendes Ammoniak in kleinen Portionen, bis durch den Geruch ein Überschuß bemerkt wurde. Hierbey entstand ein häufiger grauer Niederschlag. Um diesen von dem Flüssigen zu trennen, brachte ich die ganze Mischung auf ein gewogenes Filtrum, süßte den rückständigen Präzipitat mit der erforderlichen Menge Wasser wohl aus, und trocknete ihn nachher bey gelinder Wärmer; er wog 118 Gran und wurde mit B gekennzeichnet zuförderst hingelegt.

Sechster Versuch

Die hierbey erhaltene Flüssigkeit roch merklich nach Ammoniak und sezte nach Verlauf einer Stunde einen pulverförmigen Körper ab. Bisweilen setzen sich an den Seiten des Gefäßes kleine braune Krystalle an, welche der abgeschiedenen Substanz im vorigen Versuche ganz ähnlich, und mit dieser nicht zu verwechseln sind. Beym ersten Anblick hielt ich diesen mit dem vorhin (Versuch 5) abgeschiedenen für analog, seine weißere Farbe und das größere specifische Gewicht verriethen aber, daß es andern Ursprungs sey. Von diesem Bodesatze wurde das Flüssige durch Dekantation getrennt, und in einer porcellainen Schale vermittelst des Wasserbades so lange erhitze, bis ein darüber gehaltenes Glasstäbchen mit konzentrirter Essigsäure benetzt keine Wolken mehr hervorbrachte; sodann in ein Glasfläschchen gegossen, und zum Erkalten hingestellt. Durch diese Operation hatte sich die Flüssigkeit um die Hälfte ihres Volumens vermindert; während dem Erkalten sezte sie noch etwas von dem erwähnten weißen Pulver ab, welches zu dem obigen gelegt wurde.

Siebenter Versuch

Vorige Flüssigkeit rauchte ich auf Art des sechsten Versuches bis zur Konsistenz eines dünnen Zuckersaftes ab; nach dem Er- (38) kalten bemerkte ich nur einen sehr geringen Antheil des gedachten weißen Präcippitats, aber nicht die geringste Spur einer Krystallisation, daher wurde alles zur Trockne abgeraucht, die Abrauchschale nebst dem darin befindlichen trocknen Extrakte wurde gewogen, nach Abzug der erstern ergab sich das Gewicht des letztern zu 402 Gran. Dieser Extrakt war dem in Officinen unter dem Namen extractum opii aquosum vorkommenden ziemlich ähnlich, nur wirkte er nicht so heftig auf die Geschmacksorgane, sondern schmeckte rein bitter, fast wie der eingedickte Auszug der Gentiana Centaurium. Enthielte nun die wässerichte Extraktion des vierten Versuches Mohnsäure, so mußte diese aller Wahrscheinlichkeit nach in dem trocknen Extrakte des vorigen Versuches als mohnsaures Ammoniak (Ammonium Papavricum) enthalten seyn.

Achter Versuch

Daher wurden die 402 Gran Extrakt in Wasser gelöst, und eine Zeitlang hingestellt, wobey ganz unten auf dem Boden des Gefäßes dem Augenmaße nach 1 bis 1 1/2 Gran des weißen Körpers und über diesem etwas braune Materie gefunden wurde. Letztere hatte ganz den Charakter des oxydirten Extraktivstoffs, beyde wurden so gut wie möglich von einander getrennt, die übrige Flüssigkeit bot mir folgendes dar:

Neunter Versuch

Aetzendes Kali hinzugemischt entband Ammoniak, denn darüber gehaltene Salzsäure bewirkte einen obschon schwachen Nebel.

Zehnter Versuch

Salzsaures Eisen mit überschüssiger Säure brachte eine röthliche Farbe hervor. Diese beiden Versuche beweysen zwar die Gegenwart des Ammoniaks, und die wahrscheinlich an dasselbe gebundene Mohnsäure, aber nicht so auffallend, wie ich vermuthete, es schein also ein Verlust an mohnsaurem Ammoniak Statt zu finden, welcher vielleicht durch das Abrauchen oder durch eine andere Ursache hervorgebracht wurde, denn die Flüssigkeit war hier sehr konzentrirt, und mußte daher auch jene Erscheinungen in einem höhern Grade zeigen. Jetzt zog der weiße Bodensatz der Versuche 6, 7 und 8 meine Aufmerksamkeit zu sich hin. Obwohl es nicht wohl zu vermuthen war, daß eine Pflanzensäure mit dem Ammoniak eine so schwer auflösliche Verbindung eingehen würde, so unternahm ich doch mit demselben folgende kleine Untersuchung. (39)

Eilfter Versuch

Dieser Bodensatz wurde gesammelt, mit kaltem destilirtem Wasser einigemal abgespült und zwischen weißem Fließpapier auf einem Stubenofen getrocknet. Unter dieser Zeit ging mir durch Zufall ein Theil verloren, so daß ich nur 10 Gran behielt, diese stallten zerrieben ein weißes weich anzufühlendes Pulver dar, das weder Geruch noch Geschmack besaß. Dieser Körper hatte folgende Eigenschaften:

Zwölfter Versuch

  1. Mit ätzender Kalilauge übergossen wurde viel Ammoniak entbunden, welches nicht allein durch die bekanten Prüfungsmittel, sondern auch durch den Geruch bemerkt wurde.
  2. Ebenso verhielt sich ätzender Baryt und Kalk.
  3. Verdünnte Schwefelsäure löste ihn selbst in der Kälte gänzlich auf.
  4. Essigsäure wirkte nicht merklich auf ihn.
  5. In vielem Wasser löste er sich durchs Kochen bis auf einen geringen Rückstand auf; diese heiße Lösung veränderte weder das Lakmus- noch Gilbwurzelpapier.
  6. In einem silbernen Löffel erhitzt stieß er einen weißen dicken Dampf aus, und verflüchtigte sich so bis auf einen sehr geringen Rückstand, welcher der Untersuchung nach aus Thonerde und etwas weniger schwefelsaurem Kalk bestand.
Aus diesem ergibt sich nunmehr, dass dieser schwer aufzulösende Körper blos mohnsaures Ammoniak mit etwas Thonerde und Gips vermischt war.

Dreyzehnter Versuch

Nun suchte ich die Mohnsäure aus ihrer Verbindung rein darzustellen; in dieser Absicht erschaffte ich mir zuerst eine Portion mohnsaures Ammoniak, dieses wurde, um ihm die beygemischten Theile zu entziehn, so lange mit Wasser digerirt, bis die abfiltrirte Flüssigkeit auf Eisensolution nicht mehr reagirte, sodann sezte ich

Vierzehnter Versuch

zu der heißen Auflösung essigsaures Bley, worauf gleich ein ziemlich häufiger Niederschlag erfolgte. Dies wurde zusammen auf ein Filtrum geschüttet. Die durchlaufende Flüssigkeit wurde weder von essigsaurem Bley noch von Eisenauflösung geändert. Ein Beweis, daß die Mohnsäure abgeschieden war.

Funfzehnter Versuch

Das auf dem Filtrum befindliche mohnsaure Bley wurde mit destilirtem Wasser hinreichend ausgesüßt, und tropfenweise mit dilurirter Schwefelsäure behandelt. Die abtriefende Flüssigkeit war zuerst ohne Farbe, als ich aber fortfuhr, Schwefelsäure hinzuzutröpfeln, wurde sie schwachröthlich, schmeckte sauer, und verhielt sich jetzt gegen Reagentien wie folgt:

  1. Lakmus und Veilchentinktur wurden stark geröthet.
  2. Salzsaurer Baryt ließ nicht die geringste Veränderung bemerken.
  3. Baryt in destilirtem Wasser gelöst, erzeugte gleich einen beträchtlichen Niederschlag, welcher aber in Salpetersäure vollkommen aufgelöst wurde.
  4. Essigsaures Bley verhielt sich eben so, nur war der Bodensatz voluminöser.
  5. Eisenauflösung wurde dunkelroth gefärbt.
  6. Mit kohlensaurem Ammoniak brauste sie auf und ließ kurz nachher ein weißes Pulver (mohnsaures Ammoniak) fallen. Aus diesem erhellet, daß diese flüssige Mohnsäure keine Schwefelsäure enthält.
Sechzehnter Versuch

Ich rauchte die noch übrige Flüssigkeit (Mohnsäure) wechselsweise ab, und ließ sie jedesmal wieder erkalten; ich erhielt hierdurch zwar keine Krystalle, zulezt blieb aber ein körniges Wesen zurück, welches vermuthlich krystallisirte Mohnsäure war; die geringe Menge erlaubte es mir aber nicht, fernere Versuche damit anstellen zu können. – Auch läßt sich kürzer nach folgenden Versuchen die Mohnsäure bereiten.

Siebenzehnter Versuch

Ein Theil Opium wurde mit einer Mischung aus 3 1/2 Theil Wasser und eben so viel Alkohol stark digerirt und nachdem sich das gröbere abgesezt hatte, filtrirt.

Achtzehnter Versuch

Eine Portion dieser Tinktur wurde mit Wasser verdünnt und so lange essigsaures Bley hinzugemischt, als noch ein Niederschlag erfolgte. Dieser (mohnsaure Bley) wurde mit heißem Wasser gut ausgesüßt und durch verdünnte Schwefelsäure zersezt, die erhaltene Mohnsäure war braun, und enthielt Schwefelsäure; ich reinigte sie nach der unten beschriebenen Methode. (41)

Neunzehnter Versuch

Zu einer Quantität der oben bey Versuch 17 gemachten Extraktion goß ich so oft starke Barytlösung (ätzenden Baryt in kochendem Wasser gelöst) bis kein Bodensatz mehr zu bemerken war. Dieser wurde, um ihm die noch anklebenden extraktartigen Theile zu entziehn, mit wässerichtem Weingeist digerirt, sodann durch Schwefelsäure zersezt. Die Säure, welche ich hierdurch bekam, war bey weitem nicht so braun wie die vorige.

Zwanzigster Versuch

Einige Unzen derselben Flüssigkeit (17. Versuchs) vermischte ich, ohne sie vorher zu verdünnen, mit essigsaurem Baryt; den erzeugten Niederschlag (mohnsauren Baryt) behandelte ich wie zuvor. Diese durch die drey vorhergehenden Versuche gewonnene Mohnsäure kann man nicht als rein betrachten, denn sie ist immer mehr oder weniger von beygemischtem Extraktivstoffe gefärbt, und enthält, wenn man nicht genau zu Werke gegangen ist, Schwefelsäure; um sie nun zu reinigen, wird erfordert, daß man die saure Flüssigkeit entweder mit Kali, ammoniak oder Baryt sättigt, wo alsdenn die entstandenen mohnsauren Salze vermöge ihrer schweren Auflösbarkeit in der Flüssigkeit, wenn selbige nicht zu sehr verdünnt ist, als ein weißliches Pulver zu Boden falln; diese werden gesammelt und mit wenigem kaltem Wasser abgespült, sodann im ersten Falle an das mohnsaure Kali oder Ammoniak durch essigsauren Baryt oder essigsaures Bley zerlegt, und dieses wieder durch Schwefelsäure, letzteres als der mohnsaure Baryt wird gleich wie vorhin durch Schwefelsäure zerlegt. Dieses Verfahren, nämlich die Mohnsäure aus dem Opiumextrakte durch essigsauren oder ätzenden Baryt zu scheiden, scheint mir das zweckmäßigste zu seyn, weil diese Verbindung im Wasser schwer auflöslich und den Extraktivstoff in der Flüssigkeit zurückläßt. Doch muß man hierbey berücksichtigen, daß die Opiumextraktion klar und konzentrirt nicht mit bloßem Wasser, sondern nach Versuch 17 zur Hälfte mit Alkohol gefertigt seyn muß. Der Grund hiervon wird sich weiter unten zeigen.

Auch kann man aus einem Opiumausguß zuerst mit Ammoniak oder Kali den schon erwähnten Körper fällen, dann zu der Flüssigkeit essig- oder salzsauren Baryt setzen und mit dem Bodensatze (42) wie vorher verfahren. Noch besonders ist zu merken, daß man sich bey Bereitung der Mohnsäure eisenfreyer Scheidungsmittel bediene, weil sonst dieselbe unvermeidlich eine röthlich Farbe bekommt.

Die Mohnsäure besitzt folgende Eigenschaften: Sie ist ohne Geruch, schmeckt sauer, röthet die Lakmus- und Veilchentinktur, zersezt das Schwefelkali, und die Seifenauflösung braust mit kohlensauren Kalien und Erden auf, und bildet mit diesen fast durchgehends pulverförmige, im Wasser schwer auflösliche Salze, welche auch oft in kleinen unregelmäßigen Krystallen anschießen. Sie schlägt den im Wasser gelösten Baryt, indem sie sich damit verbindet, nieder; auch die Kalklösung (Kalkwasser)wird, wenn sie sehr konzentrirt ist, davon getrübt. Die neutralen Baryt- Strontian-Kalk und erdigen salze, namentlich die Salpeter-Salz und Essigsäure werden durch sie zersezt, ist sie aber an Kali gebunden, so erfolgt allerdings eine wechselweise Zersetzung; es fallen nämlich die entstandenen mohnsauren Verbindungen in der Flüssigkeit zu Boden. Auch werden einige Metallauflösungen durch die freye Mohnsäure zersezt, als Salpeter und essigsaures Bley, und einfache salzsaure Zinne und vorzüglich die Eisensalze [ausgenommen das hydrothion - und blausaure Eisen] (letzteres ist aber noch näher zu untersuchen). Diese werden nicht niedergeschlagen, sondern es entsteht nur eine braunrothe Farbe, die umso stärker ausfällt, je mehr das Eisen oxydirt ist. Dies ist sogar bey einer Säure, worin das Eisen kaum den 0,01 Theil beträgt, deutlich zu bemerken. Die Eisensolution mit einem Überschuß von Säure ist also ein sicheres Mittel, um die Mohnsäure zu entdecken, und umgekehrt. Dieses wenige wird hinreichend seyn, die Mohnsäure von anderen hinlänglich unterscheiden zu können. Gerne hätte ich meine Versuche hierüber weiter ausgedehnt, und die Bestandteile dieser Säure zu bestimmen gesucht, wenn es meine Geschäfte erlaubt hätten. Einigen unvollkommenen Versuchen nach, besteht sie au Wasserstoff, Kohlenstoff und Sauerstoff. Vorhin gab ich in diesem Journale eine Methode an, durch Opiumtinktur das blausaure Kali vom Eisen zu befreye, ich habe dieses mit der reinen Mohnsäure wiederholt, es wollte mir aber nicht gelingen, das Eisen abzuscheiden. Da ich mich nun durch die vorhergehenden Versuche fest überzeugt hatte, daß die Mohnsäure auf die blauen Pflanzenpigmente (43) wie eine jede andere Säure wirkte, so schloß ich auf das Daseyn eines anderen Stoffes, durch welchen die ebenerwähnten Fabenveränderungen hervorgebracht wurden, und schritt daher zur Aufsuchung dieses Wirkenden.

Zuerst suchte ich den Niederschlag, welchen Kalien in dem Opiumaufgusse hervorbrachten und den ich anfänglich für eine Erdart oder eine mohnsaure Verbindung hielt, näher kennen zu lernen.

Ein und zwanzigster Versuch

Die aus der wässerichten Extraction des Versuches 15 geschieden Substanz B stellte ein grauliche, sehr zerreibliche Masse dar, welche zwischen den Zähnen knirschte und auf der Zunge einen auffallenden specifischen Geschmack erregte, wobey ich zugleich nach einiger Zeit eine Unbehaglichlichkeit verspürte. Letztere Eigenschaften leitet ich indessen von Harztheilen her, welche diesem Körper vielleicht adhärirten, indem ich nach mehreren Auctoren diese für den wirkenden Theil des Opiums ansah.

Zwey und zwanzigster Versuch

Um dieser Substanz das vermeintliche Hartz zu entziehen, behandelte ich einen Theil derselben mit wasserfreiem Weingeist, dieser färbte sich schon in der Kälte ziemlich stark; nun wurde Wärme angewandt; ehe noch die Mischung den Siedepunkt erreichte, löste sich das mehrste auf; diese Lösung röthete blaue Pflanzenpigmente nicht merklich, zerstörte aber einige derselben fast gänzlich.

Drey und zwanzigster Versuch

Zu dieser Lösung wurde so viel Wasser gegossen, daß sich erstere zu letzterm dem Volumen nach wie 1,5 verhielt; Es sonderte sich alles, was aufgelöst war, in Form grauer Flocken wieder ab.

Vier und zwanzigster Versuch

Den noch übrigen Theil des 21then Versuches suchte ich durch Kochen im Wasser aufzulösen, es war aber ohne Erfolg; die heiß filtrirt Flüssigkeit sezte zwar beym Erkalten etwas ab, das ich aber nicht in Anschlag bringe, denn es ist zu vermuthen, daß dieses mechanisch mit durchs Filtrum geführt wurde; auch deutete das Überbleibsel auf keinen merklichen Verlust. (44)

Fünf und zwanzigster Versuch

Die vorige Substanz, worauf kochendes Wasser keine Wirkung äußerte, wurde in einem Gläschen mit etwas konzentrirter Essigsäure übergossen und gelinde erhitzt. Hierdurch wurde fast alles aufgelöst, diese klare Lösung besaß einen ähnlichen Geschmack, wie die frisch abgeschiedene Substanz des 22ten Versuches, doch in einem weit höhern Grade; sie wurde mit Wasser verdünnt ich konnte aber keine Trübung bemerken. Um das Aufgelöste wieder zu scheiden, wurde so lange Ammoniak hinzugefügt, bis kein Niederschlag mehr erschien; dieser verhielt sich gerade so, wie vor der Auflösung. Schon aus diesem wenigen scheint zu erhellen, daß dieser Körper weder Erde, Gluten noch Harz; sondern ein ganz eigener Stoff sey. Nunmehr zweifelte ich ander Angabe, daß die große Reizbarkeit, welche der Mohnsaft auf den thierischen Organismus äußert, in den harzigten Theilenliegen sollte, und ahndete vielmehr den Grund dieser Erscheinung in dem zuletzt genanten Stoffe. Dieses wurde um so wahrscheinlicher, indem ich es mir nicht ganz ohne Hinderniß erklären konnte, woher das wässerichte kalt bereitete Opiumextrakt seine Wirksamkeit erhielt, da doch in demselben nur äußerst wenig Harz zu finden ist. Es blieb mir nur noch zu untersuchen übrig:

a) Wie dieser Körper innerlich gegeben auf lebende Animalien wirkte.
b) Wie er sich in chemischer Hinsicht gegen Reagentien, z.B. Kalien, Säuren u.s.w. verhielt.

Sechs und zwanzigster Versuch

Sechs Gran der rohen Substanz, so wie sie aus einer wässerichten Opiumextraktion geschieden, wurden in drey Quentchen Alkohol durchs Kochen aufgelöst, mit etwas Zuckersaft vermischet, einem anderthalbjährigen gesunden Hunde eingegeben. Um ihn desto genauer beobachten zu können, wurde er eingesperrt. Anfänglich war an ihm nichts als Unruhe zu bemerken, doch blieb er munter; schon nach einer halben Stunde stellten sich sichtbare Spuren zum Schlafe ein, und nicht selten machte er sogar beym Stehen Miene zum Umfallen. Nachdem er so einige Zeit zugebracht hatte, fing er an zu brechen, welches ihm Erleichterung zu verschaffen schien. Eine Stunde nachher wurden demselben Hunde (45) noch 5 Gran wie vorher beigebracht, aber kurz darnach gab er alles wieder von sich.

Sieben und zwanzigster Versuch

Ich gab ihm noch drey Gran mit Gummischleim abgerieben, aber auch dieses war ohne Erfolg; denn er brach es gleich wieder aus. Die Neigung zum Schlafe verließ ihn indeß nicht, wiewohl er dem Augenscheine nach alles wieder ausgewürgt hatte. Nach Verlauf einiger Stunden kündigte er oft seine mißliche Lage durch ein dumpfes Winseln an; auch bemerkte ich konvulsivische Bewegungen am Gesichte und den Lendenmuskeln und ein Zittern am ganzen Körper, welches ungefähr 4 - 6 Stunden dauerte. Während dieser ganzen Periode zeigte er Abscheu gegen alle Speisen und fortdauernd großen Hang zum Schlafe, selbst nach einigen Tagen kränkelte er noch fort; wahrscheinlich hätte er noch schlimmere Zufälle bekommen, und wohl gar mit dem Tode geendigt, wenn nicht die schaffende Natur durch Ausleerung vorgebeugt hätte.

Hieraus fließt mehr als wahrscheinlich, daß dieser Körper der eigentliche betäubende Grundstoff des Opiums ist; um aber allen Zweifel zu entfernen, suchte ich ihn möglichst rein darzustellen, damit nicht Harz oder Extraktivstoffe eine versteckte Rolle spielen möchten.

Acht und zwanzigster Versuch

Eine Portion 118 Gran der schon erwähnten Substanz wurde mit 8 Unzen Alkohl übergossen und einige Zeit gekocht; die Auflösung erfolgte bis auf einen geringen Rückstand, worauf ich hernach wieder zurückkommen werde.

Neun und zwanzigster Versuch

Diese geistige Lösung hatte eine braune Farbe und schmeckte äußerst penetrant, ich schüttete sie noch heiß in ein Glas und stellte dies an einen ruhigen Ort; nach einiger Zeit zeigten sich krystallinische Punkte und ein rostfarbiger Niederschlag. Um die Krystallbildung nicht zu stören, ließ ich alles noch einige Tage stehen. Nach Verlauf dieser Zeit wurde das Flüssige nebst dem Bodensatze abgegossen, die Krystalle mit Alkohol abgespült, und da sie den Seiten des Glases adhärirten, mit demselben getrocknet. Diese Krystalle hatten ein glänzend schmutziges Aussehen, äußerten auf die Geschmacksorgane fast gar keine Wirkung, und zeigten sich unter der Lupe als unregelmäßige hin und wieder zusammengehäufte Prismen: der eben erwähnte Niederschlag löste sich in Alkohol durch Sieden auf und gab beym Erkalten dieselben Krystalle.

Dreysigster Versuch

Die noch übrige Flüssigkeit des 29ten Versuchs wurde langsam verdunstet, es bildeten sich noch einige Krystalle, welche aber zu sehr von der rückständigen Flüssigkeit umhüllt waren, um sie bequem trennen zu können, daher wurde Wasser hinzugesezt, durch dies schied sich etwas Harz ab.

Ein und dreysigster Versuch

Diese Flüssigkeit, welche wenig Geistiges mehr enthielt, wurde abgeraucht, wodurch noch etwas Harziges abgeschieden wurde. Beym fortgesezten abrauchen hinterließ sie ein braunes bitteres, dem Extraktivstoffe ganz ähnliches Wesen.

Zwei und dreysigster Versuch

Die braune Substanz, welche im Versuch 30 durch Wasser abgesondert war, digerirte ich so oft mit starker Essigsäure, als diese noch Geschmack enthielt; den Rückstand, worauf die Säure keine Wirkung mehr zeigte, brachte ich an einen erwärmten Ort, um ihn zu trocknen; er bleib aber trotz einer ziemlichen Wärme weich wie Pech, dieser Körper war braun, hatte einen kaum merklichen specifischen Geschmack und Geruch, löste sich in Alkohol gänzlich auf und brennte einer Flame genähert mit schwacher Flamme, er verhielt sich also wie Harz von besonderer Natur

Drey und dreysigster Versuch

Aus der bey vorigen Versuchen angewandten Essigsäure schied ich durch Ammoniak ein graues Pulver, welches in Alkohol gelöst zu Krystallen von der nämlichen Form anschoß. Diese Krystalle nebst denen der vorigen Versuche wogen 29 Gran.

Vier und dreysigster Versuch

Der Theil des Präcipats (Versuch 28), welcher in Alkohol unauflösbar war, wurde mit etwas Wasser in Digestion gesezt, ich erhielt hierdurch eine dunkle bittere Flüssigkeit, welche mit Alkohol vermischt nicht trüber wurde. Mit Eisensolution entstand gleich eine rothe Farbe. Hierbei widerstand ein kleiner Theil des verbrauchten Präcipats der Einwirkung des Wassers. Dieser Rück- (47) stand wurde mit verdünnter Schwefelsäure übergossen, worin er sich gänzlich auflöste; diese Lösung zersezte ich nachher durch kohlenstoffsaures Natrum, es fiel eine bräunliche Materie zu Boden, welche sich wie Thonerde mit Gluten gemischt verhielt, die Flüssigkeit behielt aber ihre braune Farbe und schmeckte ziemlich bitter; folglich war dies eine Verbindung aus Thonerde, Gluten und Extraktivstoff [Es wäre zu wünschen gewesen, daß der Verfasser hier beschrieben hätte, durch welchen Versuch er bestimmt wurde, anzunehmen, daß der Niederschlag eine Verbindung von Thonerde und Gluten war. d. Herausgeber].

Mithin bestanden diese 118 Gran aus wässerichtem Opiumextrakte, durch Ammoniak geschiedene Substanz aus Extraktivstoff, einem zähen Harze, mohnsaurem Ammoniak, Gluten nebst einer Verbindung aus Thonerde und Extraktivstoff und 29 Gran eines krystallisierbaren Körpers von ganz eigener Beschaffenheit.

Fünf und dreysigster Versuch

Die Krystalle des 33sten Versuches wurden von Neuem mit Alkohol gelöst und zur Krystallisation befördert; sie hatten getrocknet ein weißliches glänzendes Ansehen, keinen Geruch, und nur dann, wenn sie zu Pulver gerieben worden, einen bittern Geschmack. Ein Theil erforderte 18 bis 19 Theile Alkohol zur Auflösung, woraus sich beym Erkalten fast alles wieder in schönen Krystallen absonderte. Diese geistige Lösung benahm der Veilchen- und Heidelbeerentinktur u.s.w. ihre Farbe, das mit Krystallen gekochte Wasser erhielt einen bittern eigenen Geschmack, röthete die Lakmustinktur nicht, und sezte nach dem Erkalten etwas ab, Schwefeläther äußerte dieselbe Wirkung wie Weingeist. Aetzlauge, worin sich das Kali 3 : 13 verhielt, löste sich durchs Erwärmen auf, sezte aber sowohl beym Hinzugießen des Wassers als auch beym Erkalten den größten Theil wieder ab. Die mehrsten Säuren lösten sie in der Wärme, einige auch in der Kälte auf. Diese scheinen damit eine salzartige Verbindung einzugehen. So bemerkte ich, daß die in Säure gelöste Substanz durch ätzendes Ammoniak oder Kali unverändert gefället wurde, nahm ich aber stattdessen kohlensaures, so sezte sich ein ähnlicher Körper ab, der aber mit Säuren aufbrauste und sich in Alkohol schwerer auflöste. Auch die heiße Auflösung dieser Substanz in Essigsäure sezte beym Erkalten Krystalle von ganz anderer Form ab, welche gleichfalls in Alohol schwer aufzulösen waren. Diese sehe ich für eine essigsaure, (48) jene für eine kohlensaure Verbindung an, doch bedarf dies erst einer genauern Untersuchung, ehe sich etwas Bestimmtes darüber sagen läßt.

Sech sund dreysigster Versuch

Sechs Gran der reinen Krystalle wurden in Alkohol gelöst und mit Zuckersaft vermischt, einem erwachsenen zarten Hündchen eingegeben. Schon nach 10 Minuten bemerkte ich dieselben Symptome, wie beym 26sten Versuche, doch etwas stärker; nicht lange später fing es auch an sich zu würgen, welches aber nicht viel zu seiner Genesung beytrug, daher brachte ich ihm mit Gewalt Gegenmittel bey, worauf er sich gleich wieder erholte, und fast so munter wie vor dem Genusse wurde. Weil das in zu großer Menge gegeben Opium bey Thieren eine ähnliche Wirkung hervorbringt, so konnte ich auch hier leicht schließen, daß diese Gabe zu stark war, darum änderte ich mein Verfahren auf folgende Art:

Sieben und dreysigster Versuch

Zwölf Gran derselben Krystalle wurden in Alkohol durchs Kochen aufgelöst, diese Lösung goß ich noch heiß in ein Glas, worin etwas Zuckersaft befindlich war, und schüttelte selbiges stark um (weil sich sonst das Aufgelöste in Krystalle wieder abscheidet). Nachdem nun der vorige Hund ganz wieder hergestellt war, gab ich ihm zuerst den 24ten Theil dieser Mischung mit wenig Wasser, welches also 1/2 Gran des aufgelösten Körpers entsprach, und so stieg ich, aber immer mit verdoppelter Dosis, in einem Zeitraume von 6 Stunden bis die Mischung gänzlich verbraucht war. Schon nach der zweyten Gabe bemerkte man an ihm Schläfrigkeit und Abneigung gegen Speisen, welches wie beym zuerst gebrauchten Hunde stufenweis zunahm; nämlich er bekam Schwindel, Zittern, Konvulsionen, u.s.w. nur mit dem Unterschiede, daß dieses, obschon schwache Hündchen, nicht vormirte, und daher weit stärker angegriffen wurde. Zulezt wie er sich immer mehr und mehr seiner bevorstehenden Zerstörung zu nähern schien, versuchte ich ihm schwache Essigsäure beyzubringen, weil ich ihn nicht aufopfern wollte, es war aber zu spät, denn er starb während dem Versuche.

Acht und dreysigster Versuch.

Ein Quentchen Opiumextrakt von Konsistenz eines dicken Honigs, wurde in kaltem Wasser gelöst und filtriert. Dieses (49) liquide bittere Extrakt gab ich auf einmal einem kleinen Hündchen ein, und beobachtete ihn mehrere Stunden, allein er äußerte nicht die geringste Spur von Schlaf. Nun lehrt uns noch die Erfahrung, daß eine geistige Opiumextraktion weit heftiger als eine wässerichte die Funktionen des thierischen Organissmus afficirt, auch fand ich durch Versuche, daß die Farben der oben erwähnten Pflanzen durch erstere stärker als von letzterer zerstört wurden, es mußte sich also der größte Theil des Wirksamen, wie ich auch nachher fand, in dem durch Wasser erhaltenen Rückstande befinden.

Neun und dreysigster Versuch.

Der Rückstand des 3. Versuches, welcher ungeachtet des starken Trocknens dennoch einen merklichen Geruch nach Opium verbreitete, brachte ich in eine kleine Phiole und übergoß ihn mit 3 Unzen Alkohol; vermöge eines Lampenfeuers wurde alles bis zum Sieden gebracht, wobey der Alkohol eine dunkelbraune Farbe erhielt; nach einem viertelstündigen Sieden wurde das Unaufgelöste durch Sedimentiren von der Flüssigkeit getrennt, diese wurde noch heiß filtriert, welches ohne Schwierigkeit geschah, denn die Flüssigkeit war beym Abgießen schon ziemlich klar. Diese geistige Extraktion A goß ich in ein kleines Zuckerglas und sezte dieses an einen ruhigen Ort.

Vierzigster Versuch.

Zu dem rückständigen Sedimente fügte ich noch 3 Unzen Alkohol und ließ dieses erst einige Zeit gelinde digeriren, nachher aber kochen, die darüber schwimmende braune Flüssigkeit wurde durch vorhin gebrauchtes Papier filtriert und zu der vorigen A geschüttet.

Ein und vierzigster Versuch.

Der Rückstand wurde auf dieselbe Art so oft mit Weingeist behandelt, bis an demselben kein Geschmack mehr zu bemerken war, die erhaltenen geistigen Auszüge ( B ) wurden nicht zu der vorigen gegossen, sondern, weil sie wenig Farbe besaßen, allein aufbewahrt.

Zwey und vierzigster Versuch.

Wie ich nach 12 Stunden zu der Flüssigkeit A kam, bemerkte ich eine Menge kleiner Krystalle, die auf dem Boden des Gefäßes mit einer braunen Materie verunreinigt, an den Seitenwänden in Gestalt regelmäßiger Parallelepipeden, deren Extreme abgestumpft waren, erschienen, welche sich da, wo sie frey oder büschelförmig vereinigt waren, unter einem Winkel von 70° neigten. Auch in den zulezt gemachten Auszügen ( B ) waren schöne Krystalle angeschossen, obgleich ich wegen der blassen Farbe wenig aufgelöste Theile darin vermuthete. Schon beym ersten Anblicke konnte man deutlich die Verschiedenheit dieser Krystalle von denen des 29ten Versuches erkennen, obschon sie jenen an Farbe und Lage fast gleich kamen, denn ihre Form war durchgehends regelmäßiger und viel länger, so daß die größten ungefähr 2 bis 2 1/2 Linien lang aber fast 2/3 breit waren; 26 Theile kochender Alkohol löste einen Theil dieser Krystalle gänzlich auf, diese Lösung färbte die Eisensolution ziemlich roth, lezteres beweist also in demselben die vorhandene Mohnsäure.

Drey und vierzigster Veruch

Ich goß die übrige geistige Flüssigkeit der vorigen Versuche in eine passende Retorte, fügte eine Vorlage an, destilirte so viel Geistiges herüber, daß der sechste Theil in der Retorte zurückblieb. Das Destillat hatte keinen Beygeschmack, nur einen kaum merklichen Opiumgeruch, es war also unveränderter Weingeist.

Vier und vierzigster Versuch.

Der Rückstand wurde aus der Retorte in ein anderes Gläschen geschüttet, und selbige mit Alkohol gut ausgespült, nach einigen Tagen hatten sich noch einige Krystalle gebildet, welche aber wegen des anklebenden Harzes nicht gesammelt werden konnten.

Fünf und vierzigster Versuch.

Die zurückgeblieben Flüssigkeit wurde mit einer zureichenden Quantität Wasser vermischt, worauf gleich eine dünne braune harzige Materie abgeschieden wurde, ich sammelte diese mittels eines Filtrums und wusch sie mit Wasser ab, sie besaß einen Geruch, fast wie gedörrte Fische, einen bittern Geschmack und ungefähr die Dicke eines dünnen Terpentins.

Sechs und vierzigster Versuch.

Ich digerirte sie zu wiederholten Malen mit verdünnter Schwefelsäure, bis diese keinen bittern Geschmack bekam. Hierauf wurde diese saure Flüssigkeit mit Ammoniak gesättigt, wodurch ich einen ( 51 )grauen Präcipitat erhielt, welcher durch die bekannte Behandlung sich in Alkohol bis auf etwas Weniges löste und aus diesem zu Krystallen anschoß.

Sieben und vierzigster Versuch.

Die flüssige Materie des 45. Versuches hatte weniger von ihrer vorigen Beschaffenheit verloren, nur war sie viel flüssiger und fast ohne Geschmack. Diese balsamartige Substanz löste sich in alkohol vollkommen, in Wasser aber gar nicht auf; in einem Löffel erhitzt, floß sie wie Oel, verbrannte dann mit lebhafter Flamme, einem besondern nicht angenehmen Geruche, und hinterließ wenig Kohle.

Acht und vierzigster Versuch.

Ein Quentchen dieses Balsams wurde mit Gummischleim abgerieben und mit Wasser vermischt einem Hunde eingegeben, er wurde aber nicht im Geringsten krank davon.

Neun und vierzigster Versuch.

Um die Krystalle der Versuche 42 und 46 von dem beygemischten Harze und der Mohnsäure zu befreien, wurden sie mit sehr verdünnter Schwefelsäure gelinde digerirt; diese schwefelsaure Lösung zersezte ich durch Ammoniak; der entstandene Niederschlag wurde in siedendem Alkohol gelöst und zur Krystallisation befördert. Die erhaltenen Krystalle waren nicht allein der äußern Form nach, sondern auch in allen den erwähnten Eigenschaften jenen aus dem Opiumextrakte geschiedenen vollkommen gleich. Woraus sich folgern läßt, daß dieser Körper durchgehends (?) im Opium an die Mohnsäure gebunden ist; da aber diese Verbindung im Wasser aufzulösen ist, so scheint hier ein Ueberschuß von Säure dieses zu begünstigen, d.h. wodurch ein Theil im Wasser auflöslich wird, dieser Ueberschuß ist aber zu gering, um alles aufzulösen; will man diese bewerkstelligen, so darf man nur Mohn- oder eine andere Säure hinzusezten.

Funfzigster Versuch.

Das Harz, welches im vorigen Versuche bey Reinigung der Krystalle übrigblieb, war schwarz und zäh, hatte wenig Geruch und Geschmack. Die Zähigkeit rührt wohl ohne Zweifel von eingemischten Balsamtheilen her, denn diese Körper sind schwer von einander zu trennen, indem sie in gleichen Mitteln lösbar sind, auch brachte dieses Harz bey einem kleinen Hündchen keine anschauliche Wirkung hervor.

Ein und funfzigster Versuch.

Um zu erfahren, ob der flüchtige stark riechende Stoff des Opiums bey Thieren schädliche Wirkungen hervorbrächte, brachte ich Opium und Wasser in eine Phiole zum Sieden und verband hiermit eine krumme Glasröhre, die sich durch kaltes Wasser abgekühlt unter einem Recipienten, worin eine Maud befindlich war, endigte. Nach einiger Zeit wurde die Maus herausgenommen und so munter wie vorher befunden.

Zwey und funfzigster Versuch.

Der mit Wasser und Alkohol extrahirte Rückstand des 41. Versuches wurde mit Schwefeläther bis zum Sieden erhizt, ich erhielt hierdurch eine braune Flüssigkeit, welche mit Wasser gemischt eine braune zähe, dem Kautschuk ähnliche Materie fallen ließ; Herr Buchholz war bekanntlich der Erste, der diesen Körper im Opium fand.

Drey und funfzigster Versuch.

Den Rest behandelte ich zu wiederholten Malen in der Wärme mit dilurirter Schwefelsäure; diese wurde nachher mit kohlensaurem Natrum gesättigt, wobey sich ein graulich schleimichtes Wesen absonderte, welches mit dem Gluten viel Aehnlichkeit hatte, bey Thieren aber keinen Anschein von Unpäßlichkeit veranlaßte. Diesem zufolge besteht das Opium aus folgenden Theilen, welche der Quantität nach für diese Sorte Opium ungefähr in folgendem Verhältnisse stehen:

Extraktivstoff mit gummichten Theilen gemischt;
Balsamartige Materie;
Schlafmachendes Princip;
Mohnsäure;
Harz;
Gluten;
Kautschuk:
Schwefelsaurer Kalk;
Thonerde;

Nebst einem starkriechenden flüchtigen Stoff, und dem oft beträchtliche Ueberreste, welcher größtentheils aus verhärtetem Pflanzen-Eiweiß, Faserstoff und Unreinigkeit zu bestehen scheint.

Hieraus glaube ich mit Gewißheit schließen zu dürfen, daß die große Reizbarkeit des Opiums nicht von Harz- oder Extraktiv- ( 53 ) theilen, sondern von diesem besondern krystallisirbaren Körper herzuleiten ist. Ich werde ihn zum Unterschiede von dem hypothetisch angenommenen narkotischen Stoffe, schlafmachenden Stoff ( principium somniferum ) nennen. Daß auch die extraktartigen, harzichten und starkriechenden Theile des Mohnsaftes Heilkräfte besitzen, ist wohl nicht zu bezweifeln, daß sie aber vieles zu dem, was das Opium so sehr empfiehlt, beytragen sollen, ist mir nach obigen Versuchen nicht sehr wahrscheinlich. Die wässerichte Opiumtinktur wirkt gar nicht so stark als die geistige, der Unterschied liegt wohl bey ersterer, theils in der Quantität des vorhandenen schlafmachenden Stoffes, theils weil derselbe sich in einem Uebermaße( ? ) von Mohnsäure aufgelöst befindet; bey lezterer ist Hinderniß zum Theile beseitigt, indem darin der größte Theil ( ? ) des Stoffes nur an wenig Säure gebunden ist.
Vier und funfzigster Versuch

Vier Unzen des Rückstandes, welcher bey Verfertigung der Opiumtinktur (tinctura opii simplex) übrig blieb, wurde auf die bekannte Art mit Schwefelsäure in der Wärme behandelt, ich bekam hierdurch beynahe 20 Gran reine Krystalle des schlafmachenden Stoffes.

Fünf und funfzigster Versuch

In einer Standflasche, worin Opiumtinktur aufbewahrt wurde, hatte sich während einigen Wintermonaten ein dicker Bodensatz abgesondert; ich verfuhr mit diesem wie beym vorhergehenden und erhielt einen beträchtlichen Theil der erwähnten Krystalle. - Aehnliche Resultate gewährte mir das mit Mallagawein extrahirte Opium.

Sechs und funfzigster Versuch

Ich übergoß 1/2 Unze Opium mit einer Mischung aus 1 1/2 Unze Alkohol und ebenso viel Wasser und ließ dies erst stark digeriren, zulezt aber eine halbe Viertelstunde kochen. Diese Tunktur sezte ebenfalls nach einiger Zeit in der Kälte [Diese Versuche machte ich im vorigen Winter bey starkem Froste.] einen kleinen Theil des Aufgelösten wieder ab.

Sieben und funfzigster Versuch.

Eine halbe Unze gepulvertes Opium wurde mit 14 Drachmen Alkohol und 10 Drachmen Wasser erst digerirt, nachher aber 1/4 Stunde gekocht. Diese Tinktur sezte zwar nach Verlauf einiger Monate etwas ab, aber doch weniger als alle die eben genannten, auch konnte ich auf die vorige Art keine Krystalle aus dem Rückstande abscheiden.

Folgerungen und Bemerkungen

Aus diesem geht als Resultat hervor, daß das bekannte Verhältniß des Weingeistes zu dem Wasser in den Opiumtinkturen zu gering ist, weil immer ( wenn des Opium echt ist ) ein Theil des schlafmachenden Princips unaufgelöst zurückbleibt, auch fällt nach geendigter Arbeit zumal in starker Kälte wegen der zu wässerichten Lösungsmittel mehr oder weniger des genannten Stoffes mit Harz und Extraktivstoff verbunden zu Boden, und machte auf diese Weise das Heilmittel noch unwirksamer- Das Verfahren wäre also dahin abzuändern, daß man die Quantität des Wassers in den Opiumtinkturen um etwas verminderte, den Weingeist aber in dem Maße vermehrte und sie nachdem an einem temperirtem Orte aufbewahrte ( Versuch 57 kann hier als Beispiel dienen ). Daher mag es wohl kommen, daß dem Urteile der Aerzte zufolge das Opium in Substanz sicherer und stärker als alle daraus gefertigten Präparate wirkt. Wird es ferner erwiesen, daß der schlafmachende Stoff an und für sich dieselben ( wenn nicht bessere [Man erlaube mir diesen Ausdruck, denn im Opium ist die Säure, woran dieser Körper gebunden ist, ein Gegenmittel.]) Wirkungen als das Opium in der thierischen Oekonomie hervorbringt, so sind alle diese Schwierigkeiten gehoben; der Arzt hat nicht mehr mit der Ungewissheit und dem Ungefähre, worüber oft geklagt wird, zu kämpfen, er wird sich immer mit gleichem Erfolge dieses Mittels in Alkohol oder Säuren gelöst, statt der nicht immer gleichen jezt gebräuchlichen Opiumpräparate bedienen können [Wahrscheinlich läßt sich aus der bey uns Mohnpflanze derselbe Stoff (auch in derselben Qualität?) darstellen, welches in Rücksicht der Verbannung des ausländischen Mohnsafts einige Aufmerksamkeit verdienen könnte.].

Auch ist beym medizinischen Gebrauch des Opiums vorzüglich auf die in den ersten Wegen sich oft vorfindenden freyen Säuren Rücksicht zu nehmen, damit diese erst durch absorbirende Mittel neutralisiert werden, weil sonst die Wirkung des Opiums aufgehoben oder wenigsten sehr geschwächt wird. Hierbey eröffnet sich wieder dem praktischen Scheidekünstler ein neues noch wenig geebnetes Feld zur Untersuchung; denn man darf hoffen, daß sich aus ( 55 ) mehreren andern Vegetabilien, z.B. den sogenannten Giftpflanzen und mehrern andern Stoffe abscheiden lassen, worin ihre Wirkungen vereinigt liegen [Einiges dieser Art werde ich einst dem gelehrten Publikum mittheilen.]. Obschon wir von berühmten achtungswerthen Männern genaue Analysen in dieser Hinsicht besitzen, so ist es doch möglich, daß sie jene Stoffe mit andern verwechselten oder gänzlich übersahen; denn viele dieser geschahen in dem Geiste älterer Zeiten, und noch jetzt möchte ich sagen, bietet die Untersuchung dieser Körper manches Hinderniß dar. Ja es scheint, als wenn dieser Zweig der Chemie noch nicht so sehr wie andre derselben cultivirt wäre.

Schluß

Was ich hier über die Wirkung des Opiums und dessen Bestandtheile gesagt habe, ist lediglich dazu bestimmt, die Eigenschaft derselben in ein näheres Licht zu stellen, damit Sachkundigen Nutzen daraus zufließen möge; denn ich würde mich zu weit übermeine Sphäre erheben, wenn ich die Heilkraft dieser Stoffe beurtheilen wollte; nur dasjenige, was auch den nicht Unterrichteten der Arzneywissenschaft auffällt, glaube ich hier anführen zu müssen. Einige über die Opiumpräparate gemachte Vorschläge mögen hier so lange als nutzenlose Schattenbilder ruhen, bis sie das Prüfungsfeuer gelehrter Aerzte zu ausführbaren, dem Staate nützlichen Dingen hervorgehen läßt.



Sertürner Workshop 2017
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28/29. April 2017
Einbeck
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Die Sertürner Gesellschaft vergibt jährlich einen von der
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